Es ist eine
alte Weisheit, die man Kindern immer wieder aufs neue predigt, daß
wer nicht hören will, fühlen muß. Ein kluges Kind wird sich aber die
Finger nur einmal am heißen Ofen verbrennen.
In den vergangenen Wochen hatte Hitler sowohl in Afrika,
als auch in Rußland Erfolge zu verzeichnen. Die Folge davon war, daß
der Optimismus auf der einen, die Bestürzung und der Pessimismus auf
der anderen Seite des Volkes mit einer der deutschen Trägheit
unvergleichlichen Schnelligkeit anstieg. Allenthalben hörte man
unter den Gegnern Hitlers, also unter dem besseren Teil des Volkes,
Klagerufe, Worte der Enttäuschung und der Entmutigung, die nicht
selten in dem Ausruf endigten: "Sollte nun Hitler doch... ?"
Indessen ist der deutsche Angriff auf Ägypten zum
Stillstand gekommen, Rommel muß in einer gefährlich exponierten Lage
verharren - aber noch geht der Vormarsch im Osten weiter. Dieser
scheinbare Erfolg ist unter den grauenhaftesten Opfern erkauft
worden, so daß er schon nicht mehr als vorteilhaft bezeichnet werden
kann. Wir warnen daher vor jedem Optimismus.
Wer hat die Toten gezählt, Hitler oder Goebbels - wohl
keiner von beiden.Täglich fallen in Rußland Tausende. Es ist die
Zeit der Ernte, und der Schnitter fährt mit vollem Zug in die reife
Saat. Die Trauer kehrt ein in die Hütten der Heimat, und niemand ist
da, der die Tränen der Mütter trocknet. Hitler aber belügt die,
deren teuerstes Gut er geraubt und in den sinnlosen Tod getrieben
hat. Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge: Wenn er
Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester
Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des
Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende
Rachen der Hölle und seine Macht ist im Grunde verworfen.
Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den
nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an
der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den
metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht
begriffen. Hinter dem konkreten, hinter dem sinnlich Wahrnehmbaren,
hinter allen sachlichen logischen Überlegungen, steht das
Irrationale, d.i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des
Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im
Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er
seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo
eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von
den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten
Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr
getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit - überall und
zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden,
Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den
Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr
mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das
Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem
Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke,
die sich auflöst.
Gibt es, so frage ich Dich, der Du ein Christ bist, gibt
es in diesem Ringen um die Erhaltung Deiner höchsten Güter ein
Zögern, ein Spiel mit Intrigen, ein Hinausschieben der Entscheidung
in der Hoffnung, daß ein anderer die Waffen erhebt, um Dich zu
verteidigen? Hat Dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben
zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten
ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers.
"Ich wandte mich und
sah an alles Unrecht,
das geschah unter der Sonne; und siehe,
da waren Tränen derer, so Unrecht litten
und hatten keinen
Tröster;
und die ihnen Unrecht taten,waren zu mächtig,
daß
sie keinen Tröster haben konnten.
Da lobte ich die Toten,
die
schon gestorben waren,
mehr denn die Lebendigen,
die noch das
Leben hatten..."
(Sprüche)
Novalis:
"Wahrhafte Anarchie ist das
Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven
hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor
...
Wenn Europa wieder erwachen wollte, wenn ein Staat der
Staaten, eine politische Wissenschaftslehre uns
bevorstände!
Sollte etwa die Hierarchie... das Prinzip des
Staatenvereins sein?...
Es wird solange Blut über Europa
strömen, bis die Nationen ihren fürchterlichen Wahnsinn gewahr
werden, der sie im Kreis herumtreibt, und von heiliger Musik
getroffen und besänftigt, zu ehemaligen Altären in bunter
Vermischung treten, Werke des Friedens vornehmen und ein großes
Friedensfest auf den rauchenden Walstätten mit heißen Tränen
gefeiert wird.
Nur die Religion kann Europa wieder aufwecken und
das Völkerrecht sichern und die Christenheit mit neuer Herrlichkeit
sichtbar auf Erden in ihr friedenstiftendes Amt installieren."
Wir weisen eindrücklich darauf hin, daß die Weiße Rose
nicht im Solde einer ausländischen Macht steht. Obgleich wir wissen,
daß die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden
muß, suchen wir eine Erneuerung des schwerverwundeten deutschen
Geistes von innen her zu erreichen. Dieser Wiedergeburt muß aber die
klare Erkenntnis aller Schuld, die das deutsche Volk auf sich
geladen hat, und ein rücksichtsloser Kampf gegen Hitler und seine
allzuvielen Helfershelfer, Parteimitglieder, Quislinge usw.
vorausgehen. Mit aller Brutalität muß die Kluft zwischen dem
besseren Teil des Volkes und allem, was mit dem Nationalsozialismus
zusammenhängt, aufgerissen werden. Für Hitler und seine Anhänger
gibt es auf dieser Erde keine Strafe, die ihren Taten gerecht wäre.
Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach
Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand
auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue
zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses
Systems, merkt Euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll
ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach all diesen
Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts
gewesen wäre!
Zu Ihrer Beruhigung möchten wir noch hinzufügen, daß die
Adressen der Leser der Weißen Rose nirgendwo schriftlich
niedergelegt sind. Die Adressen sind willkürlich Adressbüchern
entnommen.
Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die
Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!
Bitte vervielfältigen und weitersenden!